Erforschung bewusstseinsverändernder Substanzen zu therapeutischen Zwecken – Peter Gasser

Peter-Gasser-150Nach Arbeiten über Meskalin in den 1920er Jahren setzte die Forschung und medizinische Anwendung bewusstseinsverändernder Stoffe in der westlichen Medizin erst nach 1943 so richtig ein als der Schweizer Chemiker Albert Hofmann aus Mutterkorn LSD synthetisierte. Mit der Zeit kristallisierte sich die Einsicht heraus, dass diese Stoffe nicht einfach als Medi-kamente zu betrachten sind, die bei entsprechender Indikation vom Patienten eingenommen werden können, sondern dass sie eher als eine Art Katalysatoren zu verstehen sind, die in einem psychotherapeutischen Kontext eingenommen werden müssen. Die Bewusstseins-veränderung verhilft je nachdem zu persönlichen, regressiven Erfahrungen mit emotionalem und kognitivem Verstehen biografischer Ereignisse oder zu einer intensiven Seinserfahrung in der Gegenwart mit verstärkter Sinneswahrnehmung und veränderter Bedeutung derselben oder zu einer mehr überpersönlichen Erfahrung der Verbundenheit von Individuum und Au-ssenwelt. Dabei ist der Erfahrungsaspekt stets im Vordergrund, d.h. die unmittelbare sinnlich-emotional-kognitive Gewissheit des Erlebten, sowie auch dessen klare Erinnerbarkeit, was für die Nachbearbeitung und Integration wichtig ist. Weitere wichtige Faktoren sind der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Begleitern/ Therapeuten und die ich-stärkende Erfahrung der Bewältigung der normalen Angst vor der Ungewissheit und der Angst vor dem Kontrollverlust. Nachdem im Strudel der weltweiten Ächtung der bewusstseinsverändernden Substanzen als Reaktion auf den Massenkonsum in den 60er Jahren des 20. Jh. die Forschung und Therapie praktisch zum Erliegen gekommen ist, sind in den letzten Jahren wieder einige therapeutisch ausgerichtete Forschungsprojekte möglich geworden. Der Referent hatte die Möglich-keit in den Jahren 2008 bis 2011 eine Pilotstudie durchzuführen mit dem Titel: LSD – unterstützte Psychotherapie bei Personen mit Angstsymptomatik in Verbindung mit fortgeschrittenen lebensbedrohenden Erkrankungen. Eine doppelblinde, plazebokontrollierte Phase-II Dosis-Wirkungs-Pilotstudie. Entstehung, Durchführung und Resultate dieser Studie werden vorgestellt.

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